05.11.2008
Von Mathias Nofze
 
 
   
 
Das Duo Mik/Sommer

"Melodram" klingt in heutigen Ohren nach Kitsch und übertriebener Gefühligkeit. Nicht so in der Romantik. Hier war das "Melodram" eine Zeitlang ein Experimentierfeld, auf dem die Gleichberechtigung von Wort und Ton geprobt wurde. Gefühlvoll ging es allerdings auch damals zu, mitunter sogar schaurig und gruselig, denkt man etwa an die "Ballade vom Haideknaben", die Robert Schumann nach der Vorlage von Friedrich Hebbel schuf.
Im Schumannhaus präsentierten Walter L. Mik als Sprecher und Gregor Sommer am Klavier die düstere Geschichte eines sich auf blutige Weise erfüllenden Traumes.
Mik verlieh der Angst des Knaben ebenso glaubhaft Ausdruck wie der Kaltherzigkeit des Knechts, der zum Mörder wird.
Schumanns nuancierte Klavieruntermalung erüllte Gregor Sommer mit schöner Poesie.
"Von Träumen und Albträumen" war der Abend überschrieben, der im Rahmen des Schumann-Festes stattfand. Wobei die Albträume überwogen. Lediglich der Ritter in Schumanns "Schön Hedwig" findet das Glück mit seinem Mägdelein. Tragisch hingegen endet die Flucht zweier Liebenden in "Die Flüchtlinge" nach Percy Bysshe Shelley. Schumanns stürmische, wilde Musik und Miks lebendige Deklamation verbanden sich zu einer ausdrucksstarken Darstellung.